Donnerstag, 18. Juli 2013

Arabische Düfte

Von Malatya fahren wir über Adıyaman zum Nemrut Dağı, einem 2150 Meter hohen Berg. Der späthellenistische König Antiochos I. errichtete auf dem Nemrut Dağı rund 50 Jahre v. Chr. Ein Heiligtum und Grabstätte. Das Heiligtum sollte Zentrum einer neuen, von seinem Vater Mithridates Kallinikos gestifteten und von ihm ausgebauten Religion sein, die persische und griechische Mythologie vereinte. Die Kultstätte wurde erst 1881 wiederentdeckt. Auf dem Gipfel sind vor allem die großen  Götterstatuen sehenswert. Und natürlich der Sonnenauf- oder Sonnenuntergang. Wir entscheiden uns für den Sonnenuntergang, denn für den Sonnenaufgang müssten wir bereits um ca. 4 Uhr auf dem Gipfel sein. Auf dem Weg zum Nemrut Dağı frage ich mich, wieso Antiochos diesen Berg ausgesucht hat. Die Region ist sehr heiß, eher unwirtlich und vor über 2000 Jahren muss der Weg da hinauf sehr beschwerlich gewesen sein. Ich denke mal der Standpunkt war strategisch wichtig. Auf Nemrut Dağı lernen wir das belgische Studenten-Päärchen Daniela und Johann kennen. Da wir die nächsten Tage die gleiche Route geplant haben, werden uns die beiden noch ein wenig begleiten.

Am nächsten Morgen fahren wir, nachdem uns der Chef der Pension noch ein Souvenir-Geschenk mitgibt, da er so Freude an Jonas hat, mit Daniela und Johann nach Urfa. Auf dem Weg besichtigen wir den Atatürk Staudamm. Allerdings können wir nicht über die Staumauer spazieren, wie wir uns dies von den Schweizer Stauseen gewohnt sind. In den 1980er Jahren startete die Türkei das riesige Staudammprojekt GAP, dessen Herzstück mit 169 Metern der Atatürk-Staudamm ist. Der Atatürk-Stausee ist 1.5 mal größer als der Bodensee. Die Menschen mit denen wir in Urfa sprechen sehen im Atatürk-Staudamm eine gute Entwicklung. Die sehr trockene Region verfügt nun über genügend Wasser, um Baumwolle, Mais oder Weizen anzubauen. Die landwirtschaftliche Produktion konnte enorm gesteigert werden. Ökologisch und politisch ist das Projekt jedoch hoch umstritten. Menschen müssen umgesiedelt werden, antike Stätten werden zerstört und das Projekt kostet die Regierung Milliarden. Zudem stellt das Projekt einen internationaler Konfliktherd zwischen der Türkei und den türkischen Anrainerstaaten dar. Diese sehen ihre Wasserversorgung bedroht und fürchten, dass die Türkei ihnen das Wasser einfach abdrehen könnte. Mit der Fertigstellung des GAP werden dem Euphrat etwa 11 Mrd. m³ und dem Tigris 6 Mrd. m³ Wasser pro Jahr entzogen. Dem Irak könnten dann bis zu zwei Drittel des vorherigen Euphratwassers fehlen, für Syrien sieht es nicht besser aus. Mit GAP lässt der türkische Staat also seine Muskeln spielen, ein Konflikt ums Wasser ist unumgänglich.

In Urfa herrscht Verkehrschaos. Es braucht etwas Nerven bis wir das Hotel finden, umso mehr weil es mit 40 Grad brütend heiß ist. Sobald es am Abend etwas abkühlt erkunden wir die Stadt. In Urfa haben wir das Gefühl, im Nahen Osten angekommen zu sein. Nur 50 km von der syrischen Grenze sind hier die arabischen Einflüsse gut spürbar: wir sehen ab und zu arabische Beschriftungen, die Händler verkaufen Datteln und orientalische Gewürze, eine bedeutende Minderheit der Einwohner ist arabischstämmig. Urfa (oder gemäß neuem Namen Şanlıurfa) ist die fünftheiligste Stätte des Islam und ein bedeutender Wallfahrtsort. Abraham und Ijob sollen hier gelebt haben. Entsprechend islamischer Tradition wurde Abraham hier geboren, seine angebliche Geburtshöhle wird verehrt und ist eine wichtige Pilgerstätte. Zur bedeutenden Halil-Rahman-Moschee gehört ein Teich mit heiligen und unantastbaren Fischen. Die Legende besagt, dass Gott Abraham, der auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte, errettete, indem er das Feuer in Wasser verwandelte und Glutbrocken zu Karpfen wurden. Wir gingen mit der Vorstellung nach Urfa, dort guten Fisch zu essen. Unsere türkischen Freunde in Malatya redeten im Zusammenhang mit Urfa immer von guten Fischen. Ich verstand falsch und interpretierte, es gäbe gute Fische zum Essen in Urfa. Auf entsprechende Nachfrage in zwei, drei Restaurants werden wir nur ungläubig angeschaut. Langsam ahnen wir, dass wohl die heiligen Fische im Teich gemeint sind. In Urfa isst man keinen Fisch.

Hier spielt der Ramadan eine bedeutendere Rolle, als in den anderen Orten in denen wir bis jetzt waren. Also bekommen auch wir erst nach Sonnenuntergang um ca. 20 Uhr etwas zu essen. Da es sowieso sehr heiß ist, ist das überhaupt kein Problem. Nach dem Essen plaudern wir mit Ibrahim, der beklagt, dass vor zehn Jahren viel mehr Touristen die Stadt besucht hätten. Die Schuld dafür gibt er dem Kurdenkonflikt, aber ich bin nicht sicher ob wir uns richtig verstehen. Sicher ist, dass er ein Befürworter Erdogans ist, dieser hätte viel für den Frieden mit den Kurden getan, sagt Ibrahim, selber Kurde. Heute ist ein anderer Konflikt in Urfa direkt spürbar, jener in Syrien. In der Region gibt es drei Flüchtlingslager. Wir treffen auf einige Flüchtlinge und bettelnde Kinder. Eine junge Frau erzählt uns, dass ihr Vater tot ist und sie jetzt mit ihrem Sohn in Urfa ist. Diese Geschichten sind so traurig, es ist schwierig Worte zu finden…

Von Urfa aus besuchen wir Harran, einer der ältesten permanent bewohnten Orte auf der Welt. Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. Lebten hier Menschen, auch die Überreste der ältesten Universität der Welt stehen hier. In Harran treffen wir auf einen türkisch-schweizerischen Doppelbürger, der seit 20 Jahren in Buchs lebt. Die Welt ist klein.

Bald gehen wir in den Iran, und ich brauche noch ein paar (lange, weite) Kleider. Wie sich herausstellt eignet sich der hochgelobte Bazar von Urfa nicht für Shopping, also versuche ich mein Glück in einem Kleiderladen. Die angebotene Mode entspricht nicht ganz meinem Geschmack, aber ich finde einen langen Rock. Dass er etwas zu gross ist kein Problem, im Handumdrehen wird er etwas enger genäht, ohne Aufpreis versteht sich. Den Männern wird hier Tee serviert während die Frauen einkaufen. Was die 19jährige Verkäuferin aber am meisten interessiert ist, wie Jonas und ich zueinander stehen. Ob wir verheiratet, Freunde oder Geschwister sind. Meine Antwort entrückt ihr ein verschmitztes Lächeln.


Und kulinarisch?
Urfa ist bekannt für Lamm-Leber. Ganz nach dem Motto was der Bauer nicht kennt frisst er nicht lassen wir diese aus. Also bleiben wir bei den bekannten Kebaps, die hier aber stärker gewürzt sind als im Rest der Türkei. Den orientalischen Einfluss spürt man auch bei den Salaten, die oft mit frischer Minze angereichert sind. 




3 Götter auf dem Nemrut Dagi




Aussicht



Sonnenuntergang



Atatürk-Staudamm



Urfa





Vor dem Teich mit den heiligen Fischen



Überreste der ältesten Universität in Harran


Dienstag, 16. Juli 2013

"Unsere" türkische Familie

Am Busbahnhof von Malatya werden wir von Mehmet empfangen. Mehmet ist der Cousin einer sehr guten Freundin von mir, der mit seiner Frau Fidan und seinen Söhnen Boran (6 Jahre) und Miran (11 Monate) in Malatya lebt. Zum Glück erkennt er uns gleich an unseren grossen Rucksäcken, wir hätten ihn trotz facebook-Fotos nicht erkannt. Schnell stellt sich heraus, dass Mehmet kein Englisch spricht. Jetzt werde ich wirklich auf die Probe gestellt mit meinen Türkischkenntnissen (oder eben Nicht-Kenntnissen). Zuhause warten Fidan und die Kinder auf uns, winken bereits vom Balkon. Eigentlich haben wir vorgängig ein Hotel reserviert, aber dass wir ins Hotel gehen kommt für Mehmet nicht in Frage, auf gar keinen Fall. Ganz selbstverständlich stellen Fidan und Mehmet uns ihr Schlafzimmer zur Verfügung, sie selbst schlafen im Wohnzimmer und auf dem Balkon. Widerstand ist bei der türkischen Gastfreundschaft zwecklos, also nehmen wir sie an (mit ein bisschen schlechten Gewissen, das wir - ich weiss - nicht haben müssen). Nur mit dem Klo hat Jonas anfangs etwas Berührungsängste, denn in Anatolien scheint die WC-Schüssel noch nicht Einzug gehalten zu haben. In den Wohnungen gehören Stehklos (keine Ahnung, ob dies die korrekte Bezeichnung ist) zur Standardeinrichtung.

Die Offenheit und Herzlichkeit, mit der wir empfangen werden, ist nur schwer zu beschreiben. Die Freude uns zu sehen kommt von Herzen. Umso mehr bedauern wir, dass wir keine richtige Konversation führen können. Mein Türkisch-Wortschatz beschränkt sich auf das wirklich Notwendige, diskutieren kann ich nicht. Und der Online-Übersetzer auf dem Tablet hat auch so seine Grenzen. Trotzdem lachen wir viel zusammen, die Stimmung ist sehr heiter. Vor allem Jonas’ Antwort auf die Frage ob er ein Bier wolle: “nein, ich mache Ramadan” sorgt für grosses Gelächter. Dies wird in den nächsten zwei Tagen zum Running-Gag, der bei jedem Familienbesuch (und es werden viele) wieder erzählt wird.

Am darauffolgenden Tag mieten wir ein Auto. Mehmet hilft uns dabei, was sehr wertvoll ist. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es los mit unserer Tour. Zuerst fahren wir auf die Aprikosenplantage von Mehmet’s Eltern. Die Provinz Malatya ist das weltweit grösste Anbaugebiet für Aprikosen. Hier werden die süssen Früchte entsteint und als ganze Frucht getrocknet. Ca. 95% der in Europa gehandelten getrockneten Aprikosen stammen aus Malatya. Natürlich posieren auch wir mit den Aprikosen für ein Foto, und “arbeiten” ein wenig, ganz nach Wunsch meiner Freundin.

Weiter geht's zu Fidan’s Schwester, wo wir einen hervorragenden türkischen Kaffee serviert bekommen. Anschliessend fahren wir zu einem Restaurant wo es scheinbar guten Fisch aus einem nahe gelegenen See geben soll. Da es wahnsinnig heiß und erst etwa 3 Stunden seit dem Frühstück vergangen sind, haben wir absolut keinen Hunger. Mehmet und Fidan scheinen auch nicht sehr hungrig zu sein, also verzichten wir auf das Essen, auch weil ein weiteres Essen im Dorf geplant ist. Jonas ist erstaunt, dass wir soviel essen sollen, obwohl ich ihn davor gewarnt habe, dass wir wohl gestopft werden würden. Auch dies ist ein Zeichen der Gastfreundschaft. Also gibt’s çay (Tee) statt Fisch.

Endlich fahren wir dann nach Eskiköy, ins Dorf wo der Vater meiner Freundin aufgewachsen ist und die Grossmutter Haus und Garten noch immer in Schuss hält. Auch hier werden wir sehr sehr warm empfangen. Es wird Ayran gereicht (ein Milchgetränk) und die Grossmutter macht sich daran, Brot für uns zu backen. Das Fladenbrot wird hier auf dem Feuer gebacken, auch ich “muss” ein bisschen “arbeiten”. Und auch dies wird anschließend zum Running-Gag: Fidan wünscht sich, dass ich nach Eskiköy ziehe, Aprikosen ernte und Brot backe. Jonas wird sich um den Hund kümmern. Tamam (ok). Nach einer ausführlichen Besichtung des riesigen Gartens gibt es Abendessen: Frisches Fladenbrot, Börek, Tomaten, Paprika, Gurken, Joghurt, Käse - alles aus Eigenproduktion. Es ist sehr bewundernswert, wie die Grossmutter den grossen Haushalt bewältigt. In Eskiköy treffen wir noch weitere Verwandte von Mehmet an, überall sitzen wir schnell hin und plaudern ein wenig. 


Bevor wir wieder nach Hause fahren schauen wir bei Fidans anderer Schwester vorbei. Ich bekomme ein Kopftuch geschenkt - für den Iran. Sehr müde aber überwältigt von der Herzlichkeit der Menschen kehren wir zurück. Ausnahmslos überall werden wir mit offenen Armen und offenen Herzen empfangen. Soviel Offenheit gegenüber “fremden” Menschen, wie wir es sind, sind wir uns aus der Schweiz nicht gewohnt. Und ich denke Fidan und Mehmet haben uns auch zu all ihren Verwandten mitgenommen, weil sie sich selbst sehr über unseren Besuch gefreut haben. 

Es sind bodenständige und ehrliche Menschen, die wir antreffen. Gekennzeichnet von der harten Arbeit, jedoch dem Anschein nach zufrieden mit dem Leben. Ich fange an über mein eigenes Leben nachzudenken. Kann es das sein, jeden Tag im Büro zu arbeiten, von der Arbeit zu den Freizeitterminen zu hetzen, am Wochenende in der Stadt nach dem Vergnügen zu suchen? Würde ein bisschen weniger Konsum nicht auch ausreichen? Es ist eine andere Welt, in die wir hier eintauchen durften, und dafür bin ich sehr sehr dankbar. 


Bevor Jonas und ich am darauffolgenden Tag wieder alleine mit dem Auto losziehen, kommen wir bei Mehmets Eltern nochmals in den Genuss eines reichhaltigen türkischen Frühstücks. Der Jogurt der serviert wird, ist wahrscheinlich der Beste den ich je gegessen habe. Beim Haus von Mehmets Eltern treffen wir auch noch auf Mehmets andere Grossmutter. Die Frau ist 100-jährig und hat zwölf Kinder zur Welt gebracht. Sie redet auf mich ein, und ich verstehe kein - wirklich kein - Wort. Ich bin dann etwas erleichtert, als Mehmet mir sagt, dass sie nur Kurdisch spricht. Und Jonas fragt sich, wie die 100-jährige Frau wohl aufs “Stehklo” geht. 


Der Abschied ist ein bisschen traurig. Der 6-jährige Boran hat Jonas sehr ins Herz geschlossen und möchte ihn kaum gehen lassen. Trotz den Verständigungsschwierigkeiten haben wir das Gefühl, Mehmet und Fidan schon ewig zu kennen - obwohl wir nicht einmal ganz zwei Tage mit ihnen unterwegs waren. Ich hoffe sehr, sie schaffen es einmal in die Schweiz zu kommen, damit wir wenigstens ein bisschen von dem, was sie uns gegeben haben, zurückgeben können.

Und kulinarisch?
Speziell zu erwähnen ist das Fladenbrot, das so frisch vom Feuer unglaublich gut schmeckt. Und natürlich die Aprikosen - die süssesten die ich je gegessen habe. 




Mehmet und seine Familie



Aprikosen soweit das Auge reicht



 

Arbeit auf dem Dorf




Im Wohnzimmer der Grossmutter




Die Landschaft in Eskiköy




Frisches Fladenbrot und die süssesten Aprikosen





Sonntag, 14. Juli 2013

Die wundersame Welt Kappadokiens

Spät abends und ziemlich ermüdet erreichen wir Göreme in Kappadokien. Da es dunkel ist werden wir uns der magischen und wundersamen Umgebung erst am nächsten Tag bewusst. Wir haben zwar viel über die Region gelesen und gehört, so richtig vorstellen kann man es sich aber trotzdem nicht, wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht. In Kappadokien haben Regen, Wind und Flussläufe im Laufe von 60 Mio. Jahren ihre bizarren Gebilde hinterlassen. Die Menschen haben sich  die vielen Felsen, Türme und Elfen-Cheminées zunutzen gemacht, sie ausgehöhlt und während Jahrhunderten ihre Wohnungen und Kirchen darin errichet.
Da es in der Region sehr viel zu sehen gibt buchen wir nach längerem Überlegen eine eintägige Tour, da man auf eigene Faust nur viel Zeit bräuchte um an einzelne Orte zu gelangen. So fahren wir in einem Kleinbus mit vorwiegend asiatischen Touristen und unserem Guide Ali von Ort zu Ort. Ali gibt allen türkische Namen. Jonas wird zu Mehmet und ich werde zu Aysche. Ausserdem weist Ali darauf hin, dass wir sehr viel trinken sollen, es ist heiß und wir sind oft an der Sonne. Er selbst trinkt den ganzen Tag nichts. Ramadan. Am Schluss des Tages ist er fix und fertig: durstig und etwas genervt über die asiatischen Touristen, die seiner Meinung nach zu wenig interessiert sind. Ich kann ihn verstehen.

Das Highlight der Tour ist der Besuch der unterirdischen Siedlung Derinkuyu. Die zahlreichen unterirdischen Siedlungen in der Region waren bereits im 4. Jahrhundert vor Christus erwähnt. Während des 6. und 7. Jahrhundert haben die damals in der Region ansässigen Christen halbe Städte unter der Erde gebaut. Darin haben sie sich versteckt, wenn die arabische oder die persische Armee wieder mal im Anzug war. Bis zu drei Monaten wohnten die Christen dann im Untergrund, teilweise inklusive Tiere. In Derinkuyu hausten auf sieben unterirdischen Stockwerken bis zu 10’000 Personen, was nur schwer vorstellbar ist. Wie es damals wohl gerochen? Lassen wir das… Der Rest der Tour ist - wie soll ich sagen - nett, aber nicht mehr so beeindruckend. Von der Ihlara Vadisi-Schlucht, von der in jedem Reiseführer steht, man solle sie unbedingt besuchen, sind wir eher enttäuscht. Vielleicht auch aufgrund der hohen Erwartungen, die Ali mit dem Vergleich der Schlucht mit dem Grand Canyon geweckt hat. Das ist als würde man eine Pfütze mit dem Atlantik vergleichen. Zudem ist zu erwähnen, dass unsere Gruppe hinter einer anderen Reisegruppe hinterher trampelt, gefolgt von der nächsten Touri-Gruppe. Der Stopp in Soganli lohnt sich da schon eher. Ursprünglich sollte eine Star Wars Szene im Dorf gedreht werden, aber da die türkische Regierung die Bewilligung nicht erteilte, wurde die Episode dann in Tunesien gedreht. Nichtsdestotrotz wirbt der Ort mit seiner Star Wars-Vergangenheit. Auch hier lebten bis 1923 Menschen in den Felsen. 

Am Abend sind auch wir fix und fertig. Wir schaffen es gerade noch essen zu gehen. Das Restaurant scheint für gutes Brot bekannt zu sein. Kurz vor Sonnenuntergang strömen die Einheimischen hierher um Fladenbrot zu holen. Die Menschen sind gut gelaunt, denn bald können sie das fasten bis zum nächsten Sonnenaufgang brechen. Auch ohne den ganzen Tag gefastet zu haben schmeckt das Fladenbrot ausgezeichnet.

Bevor wir weiterreisen besuchen wir am Morgen früh noch das Open Air-Museum von Göreme. Hier kann man in die Skulpturen hineingehen und bekommt einen Eindruck davon, wie die Menschen gelebt haben könnten. Wir haben uns die Anlage etwas größer vorgestellt, sehenswert ist sie allemal.

Kappadokien ist doppelt bewundernswert. Erstens hat die Natur aussergewöhnliche Skulpturen wie Phallus-ähnliche Felsen, Elfenbein-Cheminées und Pilze hervorgebracht. Zweitens staunen wir ab den von Mensch gefertigten Wohn-, Koch- und Betanlagen in den Felsen. Und obwohl auch hier die Auswüchse des Massentourismus ihre Spuren hinterlassen haben, ist der Ort absolut empfehlenswert. Für eine Übernachtung können wir die Traveller’s Cave Pensionn empfehlen. Die Zimmer entsprechen ganz dem Göreme-Stil und die Leute sind sehr freundlich.

Und kulinarisch?
Die Region ist bekannt für Pottery. Dies ist eine Art Eintopf, der in einem Tonkrug im Ofen während mehrere Stunden gegart wird. Schmeckt gut, kann es meiner Meinung nach aber nicht mit anderen türkischen Spezialitäten aufnehmen. 





Die wundersame Landschaft Kappadokiens






 

Unterirdische Siedlung





Hier hätte Star Wars gedreht werden sollen





Zimmer in Göreme




Pottery mit Ramadan-Brot




Donnerstag, 11. Juli 2013

Alte Griechen und reiche Türken

Wir sind noch die Erzählung des Ausgangs der Autogeschichte schuldig. Schon am Abend merken wir, dass der Schlüssel eventuell wieder funktionieren könnte, da das rote Lämpchen ab und zu leuchtet. Unser Auto ist ja bekanntlich auf der Insel gestrandet. Gemäss Auto-Mietvertrag ist es untersagt, mit dem Auto auf die Fähre zu fahren. Wir wunderten uns noch darüber. Allmählich wird uns klar wieso: weil es echt voll mühsam ist, wenn das Auto auf einer den Geist aufgibt. Aber die Situation haben wir uns selbst eingebrockt, also nehmen wir am nächsten Tag den Weg mit Taxi, Fähre und Bus wieder auf uns. Der Taxifahrer führt im Taxi eine Pistole mit. Darauf angesprochen zuckt er nur mit der Schulter. Er spricht kein Englisch, und mein Türkisch reicht nicht aus, um ihn zu fragen ob die geladen sei. Wir gehen mal nicht davon aus. 
Beim Auto angekommen stellen wir fest, dass alles wieder funktioniert. So weit so gut. Allerdings war mit der Autovermietung bereit veranlasst, dass ein lokaler Automechaniker vor Ort kommt. Also müssen wir nochmals warten, es scheint viel los zu sein. Zugegeben, es gibt Schlimmeres als an einem Ort mit Sandstrand und türkisblauem Wasser die Zeit totzuschlagen.
 

Einen Tag später als geplant fahren wir für zwei Tage nach Çeşme. Çeşme ist ein gemütlicher Ferienort, in dem vor allem Türken Urlaub machen. Türken die es sich leisten können - je näher wir dem Ort kommen desto protziger werden die Autos. Ausländer wie uns sieht man in Çeşme eher weniger. Aber es muss sie geben, denn im Restaurant wollen sie uns Nescafé servieren und machen ein erstauntes Gesicht, als wir türkischen Kaffee bestellen. Der Wind ist hier deutlich schwächer als weiter nördlich, somit beschränken sich unsere Aktivitäten vor allem auf Strand. 

Ein abendlicher Ausflug nach Alaçati muss aber sein. In Alaçati war bis vor zehn Jahren nicht viel los, dann hat sich der Ort zu einem beliebten Ferienort für die Reichen entwickelt und ist heute wahrscheinlich das Nizza der Türkei. Das Dörfchen ist malerisch und der griechische Einfluss verleiht dem Ort einen gewissen Charme. Das Essen ist allerdings mässig gut und die beim Service spürt man, dass es die Restaurants nicht nötig haben sich Mühe zu geben. Das Schaulaufen der operierten Nasen, der aufgespritzten Lippen und der Silikonbrüste hingegen ist unbezahlbar. Hier scheint sich wirklich Reich und (möchtegern-)Schön zu tummeln. Zwei Raki lang beobachten wir das Treiben, und sind dann froh wieder gehen zu können. Zu viel Etepetete, zu wenig Authentizität.
 

Die nächste Station ist Ephesos - eine antike griechische Stadt, die zu ihrer Blütezeit vor rund 3000 Jahren zu den bedeutendsten und grössten ihrer Sorte gehörte. Rund 200’000 Menschen lebten in Ephesos. Der Tempel der Artemis gehörte zu einem der Sieben Weltwunder der Antike. Rund 18 Prozent der Überreste sind freigelegt, der Rest liegt noch immer verschüttet unter der Erde. Trotzdem kann man sich mit ein wenig Phantasie die Grösse der Stadt vorstellen. Die Vorstellung, wie die Griechen wohl gelebt haben bleibt ungleich schwieriger, denn sichtbar ist vor allem die zentrale Infrastruktur wie das grosse Theater für 25’000 Personen, die Bibliothek und die Latrine, wo sich wohlhabende Bewohner einen privaten Klositz erkaufen konnten. Es war eine Hochkultur, die hier gelebt hatte, soviel ist klar. Die Häuser  waren sogar mit Bodenheizung ausgestattet. Beim Verlassen der Stätte geschieht dann etwas Skurriles. Jonas bestaunt vor dem Ausgang die Büste eines alten Griechen, dabei wird er beobachtet. Die Pforte passiert werden wir angesprochen, ob wir nicht so etwas kaufen möchten. Wir verneinen. Die zwei Typen winken uns zu einem Taschenladen, der eine holt hinter gefälschten Louis-Vuitton-Taschen einen ein Zeitungspapier eingewickelten Kopf aus Stein hervor. Auf die Frage wo der her sei, sagen die beiden aus der Ephesos-Bibliothek. Der Kleinere zeigt seinen “offiziellen” Ausweis, der genauso gut gefälscht sein kann. Der andere meint, er verkaufe viel Ware an Europäer. Auf meine Zweifel an der Legalität dieser Praxis erwidert er nur: “who is Government”? Wir verabschieden uns. Mist, wir hätten fragen sollen wie teuer das Stück war, das hätte mich schon interessiert. Keine Ahnung ob der Kopf wirklich aus der antiken Bibliothek stammt oder eine Fälschung ist (Zweiteres ist wohl wahrscheinlicher).
 

Am Abend bringen wir Sarah zum Flughafen. Abschiede sind doof. Für die letzte Nacht an der Ägäis haben wir ein Hotel in Kusadasi gebucht - ein Fehlentscheid. Kusadasi ist sehr touristisch, aber im Unterschied zu Çeşme tummeln sich hier vor allem Nordeuropäer. Dies hat zur Folge, dass kulinarisch hier nicht viel zu erwarten ist (wir bestellen zwar Kebab - was in der Türkei einfach Fleisch ist, werden dann aber gefragt ob wir dazu Ketchup und Mayo möchten), dass Irish Pubs und Diskotheken den Strassenrand säumen und dass überall haufenweise Kitsch angeboten wird. 

Und kulinarisch?
In Çeşme wird uns das erste Mal zum Frühstück Kaymak serviert. Dies ist ein Aufstrich, der aus Rahm hergestellt wird und schmeckt so so gut. Ich will mehr davon. Meine liebe Freundin die es wissen muss hat gute Nachrichten für mich: in Anatolien gibt es den besten Kaymak. Die Vorfreude auf Anatolien wird augenblicklich noch ein bisschen größer. Zu erwähnen ist auch der türkische Fast Food, der von der Qualität her eigentlich keiner ist. An der Autobahnraststätte essen wir Salat mit kreativen Dekorationen und Lahmacun und Pide um die Ecke können es qualitätsmässig mit Restaurant-Essen aufnehmen. 


Serie Pleiten, Pech und Pannen, Episode 2: 

Wir fahren von Çeşme 2 Stunden nach Ephesos. Kurz vor Ephesos bemerken wir, dass unsere Pässen und der Bargeldvorrat in Çeşme liegen geblieben sind. Besonders clevere Touristen wie wir verstecken dies unter der Matratze (was zugegeben echt dämlich ist). Also machen wir nach dem Besuch der Ruine nochmals einen kleinen Umweg. 

Fazit nach einer Woche Auto fahren in der Türkei: Das türkische Strassenbauamt scheint Rotlichter zu mögen, sosehr dass diese sogar IM Kreisel installiert werden. Rotlichter und andere Verkehrsregeln scheinen eher eine Empfehlung als eine verbindliche Vorgabe zu sein. In der Türkei fährt der Mann - immer. Es sei denn es ist keiner dabei. 



Strandleben in Cesme



Das grosse Theater in Ephesos










Ornamente


 Bibliothek




Passage



Kaymak







 Ayvalik-Toast (Fastfood-Spezialität der Region)



Tankstellen-Imbissbude-Salat







Samstag, 6. Juli 2013

Ägäisküste - oder Pleiten, Pech und Pannen: Episode 1



Für die Reise an die Ägäisküste stösst Sarah zu uns. In Izmir mieten wir ein Auto und fahren als erstes nach Ayvalik. Ayvalik ist ein Dorf, von dem es heisst es hätte eine schöne griechische Altstadt, die wir jedoch nur bei Nacht sehen, und entweder nicht richtig finden oder die so sehenswert nicht ist. Ca. 8 km südlich von Ayvalik liegt - gemäß Aussagen von Einheimischen - der zweitlängste Strand der Welt. Nur in den USA gibt es einen noch längeren. Der Strand ist voll - nicht so überfüllt wie nach Warnungen der Ayvalikili befürchtet - aber ob es der zweitlängste der Welt ist sei dahingestellt.
Die engen Gassen von Ayvalik fordern uns heraus, insbesondere im Auto auf der Suche nach der Unterkunft. Dies bietet Gelegenheiten. Wir treffen Erik, ein Türke der fast sein ganzes Leben in Australien gelebt hat und seit rund zehn Jahren wieder in Türkei lebt, oder in seinen Worten “stuck” ist in Ayvalik - durch seinen Vater, der zurück in die Türkei wollte. In der Kaffestube seines Vaters verkauft Erik Brombeersaft, den er uns offeriert und der hervorragend schmeckt. Erik hätte Ideen für den Laden, aber die familiären Strukturen stehen ihm da wohl etwas im Wege. Die Unterhaltung ist anregend, den australischen Slang beherrscht Erik nach wie vor - “bloody hell“ oder “believe it or not” fallen in jedem zweiten Satz.  
 

Nach Ayvalik zieht es uns nach Assos. Mit dem Auto fahren wir durch eine trockene Landschaft mit riesigen Sonnenblumenfeldern und unzähligen Olivenbäumen. Die Region ist bekannt für ihr Olivenöl, welches wir natürlich auch kaufen. Wir finden freitags eine Unterkunft für zwei Nächte, obwohl samstags “ganz Istanbul” kommen wird, was wohl auch den Preis etwas in die Höhe treibt. Vor dem Ramadan, der bald beginnt, machen viele Türken noch einmal einen Kurzurlaub. Assos ist eine historische Stadt, in der schon Aristotoles weilte. Von der Herrschaft der Griechen zeugen einige übriggebliebene Säulen des Tempels der Athene.
 

Von hier aus machen wir einen Tagesausflug nach Bozcaada, einer für guten Wein und schöne Strände bekannte Insel. Nun, Bozcaada definitv kein Geheimtipp mehr. Einen Sonnenschirm mit Liegen zu finden erweist sich als unmöglich, also fläzen wir uns in der Sonne. Das Wasser ist angenehm kühl, so lässt es sich aushalten. Auf unerklärliche Weise wird unser Autoschlüssel nass. Als wir das Auto starten wollen funktioniert die Technik nicht mehr. Na toll. Zwei türkische Frauen in unserem Alter bieten ihre Hilfe an, telefonieren der Agentur - es hilft alles nichts. Wir müssen das Auto stehen lassen, mit Fähre und dann mit Bus und Taxi zurück. Zum Glück haben wir zwei Flaschen des Bozcaadischen Weins gekauft. Die haben wir nötig. Das Schöne daran: wir spüren die überaus grosse Hilfsbereitschaft der Menschen. Alle wollen sich sofort um unsere “Probleme” kümmern.
 

Obwohl die Ägäissküste sehr touristisch ist, sprechen viele Menschen kein Englisch. Die paar Brocken, die ich im Türkischkurs gelernt habe, kann ich gut gebrauchen. Ein junger Türke ist sehr erstaunt, dass ich in der Schweiz türkisch gelernt habe. Ob ich denn Turkologin sei? Nein - noch nicht.
 

Und kulinarisch?
Hier an der Küste sind Fisch und Meerestiere angesagt. Und natürlich Meze, die türkischen “Tapas“. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. 

Die Autogeschichte: Fortsetzung folgt…



So lässt es sich leben...






Tempel der Athene






Bozcaadischer Wein...


Meze


Dienstag, 2. Juli 2013

Istanbul

Unsere Reise beginnt in Istanbul - aus der älteren Geschichte bekannt als Konstantinopel und aus der jüngsten Geschichte aufgrund des Protests gegen den Präsidenten, der inmitten des modernen Istanbul auf dem Taksim-Platz begann. In den Medien ist es ruhiger geworden, der Bus vom Flughafen fährt auch wieder zum Taksim-Platz, der Gezi-Park ist vom Staat zurückerobert. Die jungen Leute protestieren aber noch immer und das Polizeiaufgebot ist riesig. Zu gross möchte man vermuten, denn die teilweise blutjungen Polizisten scheinen sich zu langweilen: rauchen, trinken Kaffee und beobachten die Protestierenden. Nichtsdestotrotz, die Menschen scheinen der momentanen “Ruhe” nicht zu trauen. Nähert man sich dem Platz, haben viele der jungen Leute eine Gasmaske unterm Arm.
Unsere Unterkunft liegt an der Istiklal Cadesi, die vom Taksim-Platz Richtung Galata-Turm läuft. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war hier das mondäne Diplomatenviertel. An den eleganten - und teilweise heruntergekommenen Häusern kann man den Glanz dieser Epoche erahnen. Dies änderte mit der Gründung der Republik, als Ankara zur Hauptstadt wurde. Die Strasse verlotterte - bis sie in den 1990er Jahren wieder zum Herz des modernen Istanbuls wurde. Hier pulsiert das Leben - in den zahlreichen Läden, Restaurants, Bars und Discos. 


Aber nicht nur das moderne Istanbul fasziniert, ebenso das historische. Im historischen Teil stand auf unserem Programm der Besuch der blauen Moschee (wo frau für den Besuch ein Kopftuch erhält, wenn sie nicht bereits eines trägt - ich kann mich nicht erinnern dass das vor rund 5 Jahren auch schon so war), der Topkapi-Palast, die Hagia Sophia, die Cisterna Basilica, der Galata Turm und natürlich der Bazar. Im Topkapi Palast lebten zu osmanischen Zeiten neben dem Sultan rund 4000 Personen: mehrere Ehefrauen (und noch mehr Kinder), Konkubinen, Eunuchen und Bedienstete. Gemäss der Überlieferung waren die Frauen im Harem und dienten einerseits dem sexuellen Vergnügen des Sultans  und andererseits der Sicherstellung der dynastischen Reproduktion. Der Harem war ein geschlossener Bereich, in dem Eunuchen auf die Frauen “aufpassten”: sie unterrichteten sie und sorgten für deren Körperpflege. Um diese jedoch außer Gefecht zu setzen, liess man sie kastrieren. Die Damen des Harems - also die Konkubinen - stammten aus nicht-muslimischen Ländern: denn es war verboten Moslems zu versklaven. 1001 Nacht war wohl nicht so romantisch wie wir uns das gerne vorstellen. 

Die Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert als (christliche) Kirche gebaut und rund tausend Jahre später in eine Moschee umgewandelt. Heute ist die Hagia Sophia kein Glaubenstempel mehr sondern ein Museum. Zurzeit wird sie restauriert, was bitter nötig ist. Die Cisterna Basilica hat ebenfalls eine aussergwöhnliche und langjährige Vergangenheit: Erbaut im 6. Jahrhundert als Trinkwasser-Reservoir, wurde es kurz darauf wieder vergessen, und erst 1545 wiederentdeckt. Genug Geschichte. 

Istanbul ist eine faszinierende Stadt der Gegensätze, die mich jedes Mal wieder in ihren Bann zieht. Man hat das Gefühl die lebendige Stadt ist nie ruhig: wenn nicht irgendwo der Muezzin ruft oder Musik spielt, sind es die Möwen die ihre Laute von sich geben. Für mich war es inzwischen der dritte Besuch, für Jonas der erste. Allerdings fand er sich bereits am ersten Tag besser zurecht als ich - dank meinem  miserablen Orientierungssinn. Zudem mussten wir feststellen, dass wir auch als vermeintlich Reiseerfahrene nicht vor schlechten Tricks gefeit sind: Ein Schuverkäufer “verliert” seine Bürste, Jonas hebt sie auf. Der Schuhverkäufer ist überdankbar, will Jonas’ (Turn!)Schuhe putzen, wir lehnen ab, er insistiert. Also gut, denn wir gehen davon aus, dass es eine Revanche für die Bürste ist. Ist es nicht. Der Schuhverkäufer beginnt von seiner kranken Mutter zu erzählen, die zu viel geraucht hatte und nun an einem Krebs leidet, der viel kostet. Um ihn loszuwerden geben wir ihm etwas (zu viel, wie ein Beobachter später konstatiert). Anfängerfehler.
Ansonsten sind die Menschen sehr hilfsbereit und offen. Wir treffen auf Menschen, die ihren Präsidenten nicht mögen, sich aber trotzdem kein anderes Land zum Leben vorstellen können. Wir treffen auf einen Türken der in Deutschland lebte, wieder von Deutschland, dem grossen Geld und einer guten Frau träumt. Wir treffen auf Touristen, die mit dem Kreuzfahrtschiff unterwegs sind und der Ehemann zu skeptisch ist die Baklava zu probieren, da er denkt das Grüne (die Pistazien) sei Spinat. Am Abend fährt ihr Schiff wieder weiter, zur nächsten Stadt. 
Und kulinarisch?
Baklava haben wir noch keine gegessen, aber sonst viel Leckeres: Zum Frühstück Menemen (türkisches Rührei mit Tomaten und Peperoni), zwischendurch ein Fischbrötchen am Meer in Eminönü und am Abend Adana (türkisches Fleischgericht).  Sehr zu empfehlen ist das Restaurant Leb-i Derya. Serviert wird türkisch-europäische Fusionsküche und die Aussicht von der Terrasse ist unbezahlbar. Istanbul liegt zu Füssen, beim Eindunkeln kann man beobachten wie die Lichter der Stadt erleuchten, und die angenehme Brise im Haar macht das Glücksgefühl perfekt. 


Der (vergangene) Glanz der Istiklal Cadesi




 Die blaue Moschee



Im Topkapi Palast



 Cisterna Basilica



Istanbul





Istanbul kulinarisch










Sonntag, 23. Juni 2013

Oh là là - Brioche



4 Freundinnen zum Brunch, was soll ich da nur backen, das den tollen Frauen auch gerecht wird? Zopf? Etwas einfallslos. Brot? Essen wir ja unter der Woche schon zum Frühstück. Croissants? Zu aufwendig. Ich habe ein bisschen über die Landesgrenzen geschielt, und die Franzosen, die sind ja Meister im Backen. Brioche! Das passt. Habe ich noch nie gemacht. Die Warnungen, die Brioche sei sensibel, habe ich dann aber ernst genommen. Also musste ein zuverlässiges Rezept her. Und wer könnte ein besseres Rezept für Brioche haben als Aurélie von französischkochen.de. Schliesslich kommt Aurélie aus Frankreich und hat sich fest vorgenommen, auf ihrem deutschen Blog die französische Backkunst an die Deutschen (und wohl auch an die Schweizer) weiterzugeben. Scheinbar hatte auch die charmante Aurélie ihre liebe Mühe mit der Brioche, bis sie dieses Rezept gefunden hat:
 



La brioche (Rezept von Aurélie Bastien - mit Mandeln statt Hagelzucker)

  • 500 g Mehl
  • 60 g Zucker
  • 60 g Butter
  • 1 Ei
  • 250 lauwarme Milch
  • ½ TL Salz
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 Eigelb
  • 1 EL Milch
  • Eine Hand voll Mandelblättchen



1. Das Mehl, den Zucker und Trockenhefe verrühren. Die Milch leicht erwärmen und mit dem Ei beigeben. Die Butter in kleine Stücke schneiden und untermischen. Die Masse während ca. 20 Minuten mit der Teigmaschine kneten. 


2. Den Teig eine Stunde an einem warmen Ort aufgehen lassen. 


3. Den Teig nochmals 3 Minuten kneten. Eine Cakeform ausbuttern und bemehlen. 


4. Den Teig in ca. 6 Stücke teilen und die Teile nebeneinander in eine Cakeform reihen. 


5. Den Teig nochmals eine Stunde aufgehen lassen. 


6. Das Eigelb und die Milch zerquirlen, den Teig damit bestreichen. Mandelblättchen darüber streuen. 


7. Die Brioche bei 150 Grad 35-40 Minuten backen. 






Diese Brioche werde ich ab sofort öfter mal backen. Viel luftiger als Zopf, und mit nur 60 g Butter und 60 g Zucken gibt es kein Grund, gegenüber der Figur ein schlechtes Gewissen zu haben. Brioche mit Butter bestreichen, dazu ein Café au lait… Da sitzt man doch gleich irgendwo mitten in Paris. Die Franzosen, die können’s halt einfach. 
Und was mögt ihr zum Brunch?